
Was ein Grenadier ist, muss man in Neuss und Umgebung eigentlich niemandem erklären. Wenn an den Kirmestagen Männer aufmarschieren in weißen Hosen und schwarzen Fräcken, Zylinder auf dem Kopf und Holzgewehr geschultert, weiß man (und Frau natürlich auch) jetzt kommen die Grenadiere. Jenseits von diesem äußeren Erscheindungbild und dem vordergründigen Schützendasein ist die Gemeinschaft von rund 140 Schützen in diesem Gründungskorps natürlich mehr als nur ein Teil eines Schützenvereins (wobei das allein schon gar nicht schlecht wäre). Dazu aber später mehr.
Wer mehr über Grenadiere wissen will, muss mit ihrer Geschichte anfangen.
Grenadiere waren in ihren militärischen Anfängen menschliche Grantwerfer. Eine militärische Tätigkeit, die sich durch besondere Gefahren auszeichnete (die Granaten gingen schon mal los, bevor man sie weit genug weggeworfen hatte und im übrigen musste man schon ziemlich nah am Feind stehen, denn wer kann schon hunderte von Meter weit werfen). Als sich im Jahre 1823 (Gründungsjahr des Neusser Bürgerschützenvereins) junge Männer die Bezeichnung Grenadiere gaben, dann sicherlich vor dem Hintergrund genau diesen Wissens. Sie wollten sich genauso bezeichnen wie eine Elitetruppe der Armee, sie wollten offensichtlich auch etwas ganz besonderes sein. Geprägt von der Zeit in der man lebte (Biedermeier) und getragen vom Geist und Gedankengut seiner Zeit fanden es junge Männer offensichtlich spannend, reizvoll und ehrenhaft sich mit den Grenadieren des Militärs zu vergleichen.
Eine Uniform trugen damals aber nur die Offiziere eines jeden Zuges (Phantasieuniformen, die es so historisch nicht gab, aber auf Stilelemente der damaligen preußischen Uniformen zurückgriff). Alle anderen trugen den feinen Sonntagsanzug jener Zeit (Frack, Zylinder und helle Hosen). Nach einigen modischen Abwandlungen (Stresemann und Cut) fand man aber schließlich wieder zum Frack zurück. Dieses Korps, wie auch einige andere Korps, die es in Neuss schon gab (z.B. Jäger, Sappeure) waren Vorbild für die Neugründung des Reuschenberger Bürgerschützenvereins und dessen (Mitbe-) Gründungskorps der Grenadiere. Dies sicherlich auch vor dem Hintergrund, dass der neue Bürgerschützenverein ?Schützen?-Hilfe aus der Vaterstadt Neuss bekam. Natürlich könnte man jetzt eine detaillierte Beschreibung der Historie des Reuschenberger Grenadierkorps abgeben. Wer war wann Major und wann haben die Grenadiere einen Schützenkönig gestellt, wie hießen die Gründungszüge u.s.w.
Dies soll an dieser Stelle aber nicht weiter verfolgt werden, wobei die Erinnerung an die Vergangenheit und die herausragenden Persönlichkeiten, die dieses Korps zu dem gemacht haben was es heute ist, nach wie vor lebendig ist.
Hier soll der Gegenwart ein Platz eingeräumt werden:
Neben den üblichen Veranstaltungen eines Schützenkorps (Schützenfestteilnahmen, Korpsschießen, Fackelbau u.ä.) haben sich die Grenadiere vormals durch ihre ?Oktoberfeste? und auch heute noch durch ihren Jazzfrühschoppen im Januar eines jeden Jahres einen Namen gemacht, als Ausrichter exzellenter musikalischer und gesellschaftlicher Ereignisse.

- Steubenparade
Die Grenadiere sind aktueller und präsenter den je. Die rund 140 Mitglieder (und damit ist das Grenadierkorps das zweitstärkste Korps im Reuschenberger Regiment) setzen sich aus allen Altersgruppen zusammen, von 16 - 82 Jahren findet man sich dort ganz offensichtlich wohl. Die Generationenübergreifende Altersstruktur ist zum einen ausgesprochen spannend und gleichzeitig für alle Mitglieder eine Bereicherung. Wahr die Uniform der Grenadiere noch vor wenigen Jahrzehnten eher ein wenig abschreckend auf junge Schützen, so ist das Korps heute gerade für Jungschützen recht attraktiv. Wie anziehend dieses Korps sein kann beweist die Tatsache, dass vereinzelt lange Wege in Kauf genommen werden, um in Reuschenberg als Grenadier aufzumaschieren. Die weiteste Anreise nimmt ein Schützen aus dem schwäbischen Hofstett-Emerbuch (bei Ulm) Jahr für Jahr in Kauf. Er reist mitsamt seiner Familie zu jedem Schützenfest nach Reuschenberg.





